Pulmentarium ad ventrem: BETAS ET PORROS


Im Gymnasium hatte ich 4 Jahre lang Latein, muss aber gestehen, dass ich mich damit (meistens) ziemlich abquälte. Caesars „Kriegsgeschichten“ und Ciceros „Reden gegen Catilina“ fand ich im Teenager-Alter nicht sonderlich erquickend. Ovids Liebesgedichte trafen da schon eher meinen Geschmack – „Liebe, Eifersucht und Herzschmerz“ waren Themen, mit denen ich einfach mehr anzufangen wusste. Sehr interessant fand ich zu dieser Zeit auch schon die „Kochkunst“ und hätte garantiert „cum gaudio“ Rezepte aus altrömischen Kochbüchern gelesen. Da aber Das römische Kochbuch des Apicius nicht im Lehrplan stand, wurde mir dieses „Vergnügen“ erst viele Jahre später beschert, als ich das Werk nämlich (Gott sei Dank in zweisprachiger Ausgabe, denn mittlerweile waren meine lateinisch-deutschen „Übersetzungskünste“ ziemlich eingerostet!) im Shop des Freilichtmuseums Petronell-Carnuntum entdeckte.

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Marcus Gavius Apicius: De re coquinaria/Über die Kochkunst (Lateinisch/Deutsch). Herausgegeben, übersetzt und kommentiert von Robert Maier, erstmals erschienen 1991 bei RECLAM in Stuttgart.

Im Rahmen des Projekts „DAS REZEPT AUF SEITE 32“ (nähere Infos dazu findet ihr bei Wili von Rambutan, Granatapfel & Orangenblüte bzw. hier) präsentiere ich euch heute daraus „Eine Beilage für die Verdauung(bestehend aus Roten Rüben/Roter Bete und Lauch). Dieses Rezept lässt sich in Windeseile realisieren – vorausgesetzt, man hat „Liquamen“ und „Passum“ im Vorratsschrank ;-). Habt ihr nicht?! Kein Problem, ich werde euch sofort verraten, wie ihr diese altrömischen Lebensmittel durch moderne ersetzen könnt ;-)!

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Pulmentarium ad ventrem: 1. Betas minutas et porros requietos elixabis, in patina compones. Teres piper, cuminum, suffundes liquamen, passum, ut quaedam dulcedo sit. Facias ut ferveat. Cum fervuerit, inferes.“ (Ibidem, p. 32)

Eine Beilage für die Verdauung: 1. Siede gehackte rote Bete und abgehangene Lauchstangen, lege sie in eine Pfanne, stoße Pfeffer und Kümmel, gieße Liquamen dazu und Passum, damit eine gewisse Süße entstehe. Laß es aufkochen. Wenn es aufgekocht ist, trage auf.“ (Ibidem, p. 33)

Zutaten à la linzersmileys :-):
500 g Rote Rüben/Rote Bete (2-3 Stück), ca. 45 Minuten gekocht, dann geschält
1 Stange Lauch
4 EL Sojasoße mit 1 TL Sardellenpaste vermischt statt Liquamen*
4 EL Balsamico-Essig statt Passum**
frisch gemahlener Pfeffer
½ TL gestoßener (oder gemahlener) Kümmel
zusätzlich: Salz & etwas Olivenöl

*auch „Garum“ genannt; eine fermentierte Gewürzsoße, die aus frischem Fisch, Blut und Eingeweiden, Salz und Kräutern hergestellt wurde

**ein süßer Dessertwein aus Kreta

Zubereitung à la linzersmileys 🙂 :
Die Roten Rüben grob raffeln, den geputzten Lauch der Länge nach halbieren und in Streifen schneiden.
In einer Pfanne etwas Olivenöl erhitzen, die Lauchstreifen darin kurz anbraten, dann die Roten Rüben hinzufügen, mit Salz, Pfeffer, Kümmel, Sojasoße und Sardellenpaste sowie mit Balsamico-Essig würzen. Das Ganze 1 x aufkochen lassen und am besten als „Gustatio“ (Vorspeise) oder als „Pulmentarium“ (Beilage) auftragen. Sehr lecker dazu: altrömische Gewürz-Fladenbrötchen ;-)!  Das Rezept dafür findet ihr hier.

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Wie es geschmeckt hat? Mein Mann fand das Gericht vorzüglich! Aber vielleicht probiert ihr es selbst aus?!

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. 🙂 🙂 Nach deiner Beschreibung vom „Garum“ bin ich froh, dass du es ersetzen konntest 🙂

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  2. Haha, ich hatte auch Latein und hab eben beim lesen eine leichte Gänsehaut bekommen. 😄 Ich kann fast nüscht mehr, nur noch einzelne Worte und in Vino veritas. Aber schön, wieder so ein origineller Beitrag – Gefällt mir total gut…und ich träume von Xanten und denke an alte Zeiten und meinen knackigen Latein Lehrer. 😄
    Liebe Grüße

    Gefällt 1 Person

    1. Du Glückliche! Meiner war leider nicht so „knackig“ 🙂 …
      Herzlichen Dank auf jeden Fall für deinen Kommentar!
      LG Daniela

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  3. Wili sagt:

    Uh! Ich musste mir immer gut zureden, um die eine „tote“ Sprache über Kriegsgeschichten zu lernen. Freude machte es mir erst, als wir Asterix und Obelix lasen und bestimmt hätte es mir gefallen den Lateinunterricht in die Schulküche zu verlegen, um die Rezepte des Aquinius nachzukochen.

    Wieder ein spannender und leckerer Projektbeitrag, der leider ein wenig auf die Verlinkung warten muss. Mein Laptop wird gerade generalüberholt und ich tippe hier auf Smartphone.

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    1. Liebe Wili, danke für dein Feedback!
      Das Verlinken kann warten, bitte keinen Stress!
      Liebe Grüße Daniela

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